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2018-01-08 Matt Woosey

Matt Woosey ist im Kommen. Mit seiner achten Studio-CD, unter dem Titel “Desiderata”, stellt er die kühnste und progressivste Musik seiner Karriere zur Schau. Seine hochgefeierten Einzelauftritte flitzen zwischen Folk-, Roots- (also Wurzeln), Ambient- und Elektronik-Musik. Als Künstler legt er geschickt die Zwangsjacke der heutigen Musikindustrie ab, stellt sich als Bahnbrecher ohne Rückwärtsgang vor, und schleppt die akustische Gitarre mal jaulend mal schnurrend einer frischen Bedeutsamkeit entgegen. “Du darfst nicht aufhören, nach vorn zu streben”, sagt der Singer-Songwriter aus der englischen Malvern. “Wie John Martyn. Wie Robert Plant. Wie Radiohead…” .

 

Er hat bereits Aufsehen unter den Meinungsbildnern von BBC Radio bis Classic Rock erregt, und wappnet sich jetzt für eine Tour als Headliner durch Großbritannien und jenseits. Gerade jetzt schaut Matt nur nach vorne. Aber die besten Künstler haben immer was auf dem Buckel, und es ist nicht übertrieben, zu behaupten, daß wenn eine gestaltende Frühkarriere, geprägt von Leidenschaft, Mühseligkeit und Erlösung nicht wäre, so hätte “Desiderata” das Licht des Tages wohl gar nicht gesehen. “Wenn ich einen Blitzerfolg erlebt hätte, wäre ich heute mit Sicherheit nach irgendwelchen ekligen Drogen süchtig. Es ist wie alles Andere. Du mußt eine Lehrzeit absolvieren. Du mußt in Deine Kunst hineinwachsen.”

 

Spulen wir zurück zu den späten 1990-er Jahren, als der Sohn eines in Deutschland stationierten Ehepaars zur Pension in Bristol geschickt wurde. In seinem Gepäck befand sich ein Kassettenspieler der Einstiegsklasse und einige fragwürdigen Kassetten. Für ABBA und Simply Red hatte der junge Matt nicht viel übrig, aber von der aufgeputschten, ständig wandelnden Power-Blues der ersten und zweiten Alben von Led Zeppelin wurde er zutiefst gebannt. “Das war der Zeitpunkt, an dem ich mich in die Musik verliebte”, meint er. “Wo ich wußte, daß sie mein Leben restlos prägen würde.”

 

Diese Vorliebe für Led Zeppelin dehnte sich auch schnell aus, umfaßte die Großen aus dem Blues-Rock, Rory Gallagher, Paul Kossoff und Peter Green. Tim Buckley und John Martyn durften auch nicht fehlen (“Ich habe es immer geliebt, wie sie ihre Stimme als Instrument benutzt haben.”) Bald reichte es nicht mehr aus, einfach passiv zuzuhören, und Matt schloß sich ebenso schnell wie richtungslos einer Reihe der Bands aus der Gegend an, eine davon war eine Thin Lizzy-Coverband. “Ich nahm Gitarrenunterricht auf der Schule, benutzte eine akustische Gitarre mit Nylonsaiten”, erinnert er sich. “Aber bei den Bands habe ich elektrisch gespielt, und manchmal im Background gesungen. Dann habe ich angefangen, meine eigenen Songs zu schreiben, was dazu führte, daß ich immer öfter allein bei Open-Mic-Sessions und Folk-Clubs auftrat.”

 

Die Weichen waren gesetzt, und Matt lernte schnell mit dem nackten Notwendigen, seinem halssengenden Kehlkopf und einer flüssigen Spielart, Alchemie zu erbringen, mit der er Scharen von Trunkenbolden oder einen Raum voll Passanten zähmte. “Wenn ich Stevie Ray Vaughan, Rory Gallagher oder Roy Buchanan elektrisch spielen höre”, räumt er ein, “kann ich nichts Weiteres dazu beitragen, weißt du? Für mich bringe ich meine größte Leistung, wenn ich eine akustische Gitarre auf erfinderische Art spiele, die sich wie von keinem Anderen gemacht wird. Ich mag sehr gern Sachen tun, die Anerkennung und Bewunderung erregen, aber schließlich geht es nur um die Songs.”

 

In der Tat, als er 2008 sein erstes Solo-Album aufnahm – selbst veröffentlicht und auf Gigs für ein Butterbrot verkauft – hatte Matt sein Ethos, um jeden Preis nur seine Songs zu singen, voll entwickelt. “Ich habe nie viele Covers live gesungen”, sagt er, “und meine Studio-Alben bestehen ausschließlich aus meinem Material. Als regelmäßig konzertierender Musikant hat das mir das Leben um das Zehnfache erschwert. Ich verdiene nicht annähernd das, was möglich wäre, wenn ich nur Covers abspielen würde.”

 

Der Preis dieser Integrität war ein zähes Ringen. Bei früheren Interviews hat Matt die Einsamkeit des immer reisenden Musikers offenherzig geschildert, und die Panikanfälle wenn man das Desinteresse und das mühselige Rackern der englischen Pub-Touren, bei denen das Publikum sich mehr für Sky Sport oder Karaoke interessiert, handfest zu spüren bekommt. Aber er hat standgehalten. “Ich habe in Golf-Clubs gespielt, ich habe auf Booten gespielt. Einmal habe ich gespielt, da fand in der Ecke eine Damen-Dessous-Party statt. Ich habe in Lokalen gespielt, wo mein Publikum der Barman war. Ich habe die Klo-Tour durch England hundertmal durchgemacht. Wenn es ein 8-Km Areal von England noch gibt, in dem ich nicht gespielt habe, würde es mich staunen. Ich habe die denkbar miesesten und die unsagbar besten Gigs erlebt.”

 

Mittlerweile ist Matts Kurs nach oben, in professioneller ebenso wie in persönlicher Hinsicht, nicht übersehbar. Im Jahre 2014 wurde sein eklektisches “Wildest Dreams” Studio-Album mit dem Kommentar “wie ein Hauch frischer Luft” durch Classic Rock bewertet, während mit “While the Cat’s Away” (als Live-Mitschnitt samt allen Schönheitsfehlern im Gallimaufry Veranstaltungsort, Bristol aufgenommen) seine Talente und seine dröhnende Präsenz als live-Performer auf berauschende Art konkretisiert sind. Auch jenseits der Rampenlichter hat er jetzt festen Boden gefunden. Vor Kurzem hat er geheiratet und ist Vater geworden. “Damals war es mir manchmal schwer, den Glauben zu bewahren”, erinnerte er sich später in The Blues Magazine an die schlechten alten Zeiten, “aber ich blicke jetzt gern darauf zurück. So verliere ich nie aus den Augen, wie wundervoll mein Leben heutzutage ist.”

 

Seiner wachsenden Fangemeinde – die trotz seiner jüngsten Entscheidung, sich der Social Medien zu entziehen immer größer wird – hat etwas wahrhaftig Besonderes gewittert. Und es hat sich auch so erwiesen, in der Form von “Desiderata”. Die neue CD wurde am 01. 04. unter dem RoBar Label herausgegeben. Matt hat und wird auch im Jahr 2016 intensiv touren, um sein neueste Schöpfung zu promoten. Es ist ein Album reich an Funken und Erfindung, das die 08/15-Scheiben des Rock-Mainstreams nachdrücklich in den Schatten stellt. “Es ist schwer zu sagen, was für eine Inspiration dahinter steckt”, sagt Matt. “Und ich kann Dir auch nicht sagen, welchen anderen Bands es ähnlich klingt. Im Grunde genommen ist es eigentlich nur Matt Woosey.”

Eins steht aber fest. Wenngleich der Titel und der ursprüngliche Grundgedanke von dem berühmten Prosagedicht von Max Ehrmann aus dem Jahr 1927 stammen, gehört die Weltanschauung mit ausdrucksstarker, von Klavier, Pedal Steel Gitarre, Kontrabaß und Elektronika begleiteter Musik, eindeutig Matt Woosey allein. “Desiderata” ist eine Einzelfertigung in einer Welt des Reizlosen – und ein Wegweiser, der vielleicht Aufschluss darüber gibt, wo dieser faszinierende Künstler als Nächstes hin will. “Manchmal werde ich nach einem Auftritt von Leuten angesprochen. Sie fragen, welches Album sich kaufen sollen. Ich empfehle immer das Letzte”, sagt er zum Schluß. “Ich habe echt Angst davor, mich zu widerholen. Meine Musik muß kreativ und authentisch sein. Sie muß immer nach vorn streben. Ich freue mich nur, wenn die Leute mich auf diesem Pfad ungeachtet seiner Zacken und Bögen begleiten. Und dieses Album liegt mir ganz besonders am Herzen…

 

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